Ich will es Wert sein

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15.04.2021

AnnaKarenina

Hey Achim,

Ja, hinter dem Satz steckt sehr viel mehr. Da ich schon mit meinen Zukunftsplänen nicht verstanden werde, rede ich über kompliziertere Themen gar nicht erst mit meiner Familie. Ich habe das einmal versucht, aber die Reaktionen haben es nur schlimmer gemacht. Daher versuche ich es nicht mehr, auch wenn es alleine sehr viel Kraft und Energie kostet, dagegen anzukämpfen...

Lg Anna Karenina

15.04.2021

Amadeus

Liebe Anna Karenina

(ich bin nach wie vor sehr beeindruckt von Deinem Forennamen)!

»Mit meiner Familie kann ich leider nicht darüber reden...«, schreibst Du. Die Punkte am Ende des Satzes sind vielleicht dazu bestimmt, ihn ein wenig leichter klingen zu lassen. Aber wenn ich mir vorstelle, was er wirklich bedeutet, dann ist er eigentlich traurig, schwer ‒ und vor allem voller Einsamkeit.

Da stelle ich mir jetzt also ein Mädchen vor, das sich mit rein äußerlich vielleicht mit vielen Themen herumschlagen muss, die Schule und vor allem natürlich Corona betreffen, was ja allein schon viel Energie verlangt, jeden Tag aufs Neue ‒ und je länger nur desto mehr ‒, und damit, welche Schritte es weiterhin ins Leben gehen will ‒  und das aber mit dem, was ihm wirklich auf dem Herzen liegt, ganz innen und tief drinnen, sich wie ganz alleine und alleingelassen fühlt. Und das gerade von denen, die ihm eigentlich am nächsten stehen sollten: von Vater und Mutter. Das, was das Mädchen in sich trägt, das kann ‒ das darf ‒ nicht nach außen getragen werden, sondern ist wie dazu verurteilt, ungesagt zu bleiben, so dass es sich wie geknebelt fühlt.

Nun sagst Du aber ja »Familie«. Und nicht nur »Eltern«, »Vater und Mutter«. Manchmal ist es ja tatsächlich so, dass mit anderen als gerade den Eltern das Reden leichter ist. Aber von denen bekommst Du anscheinend ebenfalls keine »Landeerlaubnis« für deine Themen und für das, was Dir auf der Seele lastet. Wenn Du jetzt mal einen Moment lang zurückschaust: Ist das schon immer so gewesen? Dass da immer so eine »Wand« zwischen Deinen Eltern und Dir war, die das wirkliche Reden stets verhindert hat? Mich interessiert, wenn ich etwas darüber nachdenke, wo das eigentliche Hindernis liegt. Was heißt das genau: »Ich kann nicht mit ihnen darüber reden«? Hast Du von Dir aus nicht das nötige Vertrauen? War das Reden schon immer schwer für Dich? Oder musst Du vielleicht Angst haben vor ihrer Reaktion, wenn Du mit so einem Thema kommst? Es kann aber ja auch etwas anderes sein, z. B. dass Du einfach niemandem zutraust, Dich wirklich und tief genug zu verstehen; das kann ganz unterschiedlich sein. Wodurch, denkst Du, kommt dieses »Nicht-reden-Können« zustande, das ja doch dazu führt, dass Du Dich, auf eine bestimmte Weise fast wie heimatlos fühlen musst? Eigentlich ist es die Frage danach, denke ich fast, wie Du Deine Familienmitglieder im Einzelnen jeweils charakterisieren würdest.

»Mit meiner Familie kann ich leider nicht darüber reden...« ‒ das ist in meinen Augen, so wie ich ihn verstehe, ein ganz schwerer und schwieriger Satz. Einer, der redet von der Einsamkeit. Von Nicht-verstanden-Werden von so vielen Menschen ‒ und gerade von denen, die am nächsten stehen. »Mit meiner Familie kann ich leider nicht darüber reden...« ‒ das ist eigentlich ein ziemlich kurzer Satz. Ob er aber vielleicht schon eine lange Geschichte hat?

Viele liebe Grüße!

Achim

12.04.2021

AnnaKarenina

Hallo Achim,

Mit meiner Familie kann ich leider nicht darüber reden...

Warum ich Anna Karenina als Nicknamen ausgesucht habe, kann ich dir gar nicht so genau sagen. Es war das erste, was mir in den Kopf kam und ich mag das Buch...

Liebe Grüße Anna Karenina

11.04.2021

Amadeus

Liebe AnnaKarenina!

Allein zu sein mit sich selbst und den eigenen Problemen ‒ das ist, glaube ich, eine Situation, die wirklich sehr, sehr viele kennen! Dieses Stagnieren des ganzen Lebens, dieses »Schmoren im eigenen Saft« ‒ und jetzt, in Corona-Zeiten, auch noch Kontaktlosigkeit, oft sogar die gefühlte regelrechte »Isolation«: Das alles kann wirklich sehr belastend sein, und ich kann mir gut vorstellen, dass Dir das, je länger, desto mehr, in der Seele zu schaffen macht.

Wenn Du Dich danach sehnst, ab und zu von anderen gesagt oder eben auf andere Art und Weise signalisiert zu bekommen, dass Du gemocht wirst, dann finde ich das nur allzu normal und menschlich, denn wir alle können nur leben in einem möglichst guten Netz von Beziehungen, die uns genau das spüren lassen: dass wir wichtig, gewollt und von anderen ersehnt sind. Wir Menschen sind eben nicht als Einzelgänger gedacht und auf die Welt gekommen. Aber Corona schneidet das alles in diesen Wochen und Monaten oft ab, auch Dir, denke ich. Und das längste Telefonat und auch die schönste Skype-Sitzung können die Umarmung nicht ersetzen, die wir vielleicht gerade jetzt und vielleicht gerade auch sehr dringend brauchen, um uns zuhause fühlen zu können in der Welt und im Leben. Da kann ich also Dein Einsamkeitsgefühl wirklich sehr gut verstehen.

Jetzt lese ich weiter in Deinem Eintrag und stoße dann auf Dein Stichwort »Familie«. Die Familie scheint für Dich, so klingt es, ein gutes und eben auch wichtiges Gegengewicht zu den Corona-Turbulenzen zu sein, ein Ort, der Dir einen wohltuenden Rückhalt gibt, oder? Wenn das so ist: Kannst Du mit Deinen Eltern, vielleicht ja auch mit Deinen Geschwistern, darüber sprechen, wie schwer das alles für Dich auszuhalten ist? Wenn ja ‒ was haben die anderen zu dem Thema gesagt; hast Du Dich verstanden gefühlt? Wenn eher nein: Würdest Du es gerne können ‒ und woran ist es vielleicht bislang gescheitert?

Sofern ich den bisherigen Verlauf hier richtig verstanden habe, stehst Du ja jetzt schon Kontakt mit »Wailuka«, und vielleicht ist es ja jetzt schon viel besser für Dich so. Wenn Du aber willst, spontan oder irgendwann später, dann kannst Du hier im Forum natürlich auch jederzeit gerne zurückschreiben.

Zum Schluss und für den Fall, dass Du zurückschreiben möchtest, gibt es etwas, das mich interessiert: Warum, habe ich mich sofort gefragt, hast Du Dir hier für das Forum ausgerechnet den Nick »Anna Karenina« ausgesucht? Was verbindet Dich vielleicht sogar mit dieser großen Leidenden aus der russischen Weltliteratur? Da wäre ich durchaus gespannt, muss ich sagen... ;-)

Viele liebe Grüße!

Achim

08.04.2021

Wailuka

Oder meinst du Instagram?

07.04.2021

Wailuka

Mach ich gerne...

Wenn ich die App gefunden habe... Kannst du mir nochmal den ganzen Namen und Anbieter schrieben, damit ich die richtige herunterlade?

07.04.2021

AnnaKarenina

Hey Wailuka,

Wenn du willst kannst du mich auf Installieren anschreiben. Dort heiße ich sveahohlein. Bis bald

05.04.2021

AnnaKarenina

Nein, leider nicht. Ich hab Whatsapp, Snapchat, Instagram oder Signal....

05.04.2021

Wailuka

Bist du auf Telegramm?

05.04.2021

AnnaKarenina

Hey Wailuka, danke für deine Antwort. Ich bin 18 Jahre alt und in der 12. Klasse. Ich würde gerne mit dir reden, wenn das okay für dich ist.

05.04.2021

Wailuka

Ob ich dir einen Rat geben kann weiß ich nicht aber ich möchte dir auf jeden Fall sagen das du nicht alleine bist und das es mir auch so geht...

Auch vor Corona hatte ich nicht viel Kontakt zu anderen, außer in der Schule, doch jetzt wo man so ganz isoliert ist fällt es mir mit jedem Tag schwerer...

Als ich noch vor dem Lockdown in Quarantäne war, war ich erstmal voll begeistert, doch jetzt habe ich auch immer weniger das Gefühl das sich andere Leute (außer meiner Familie) sich für mich interessieren, was bestimmt auch damit zusammen hängt, dass man nicht mit da anderen ins Gespräch kommt sich über Belanglosigkeiten Komponente macht etc.

Eine Frage hab ich an dich...

Wie alt bist du ungefähr? Wenn du das nicht sagen willst, gib vielleicht eine Klasse oder Altersspannweite an?

Mein Rat an dich...

Schließ dich online evtl. einer Gruppe an...

Ich z.B. bin auf Telegramm in einer Gruppe z.B. Thema Bücher, doch wir unterhalten uns auch so viel über unseren Alltag...

Mir persönlich hilft es, da dort auch nachgefragt wird und man sich wertgeschätzt fühlt...

Wenn du reden willst, können wir das gerne tun...

PS: wenn mir noch was einfällt schrieb ich hier nochmal...

LG

04.04.2021

AnnaKarenina

Hey ihr, ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich habe oft das Gefühl, ich wäre allein. Alleine mit mir und meinen Problemen und außer meiner Familie wäre niemand da, der mich wirklich mag. Ich weiß, dass unsere heutige Gesellschaft sich damit schwer tut über Gefühle zu sprechen. Trotzdem wünsche ich mir, dass ich es Wert wäre, ab und zu gesagt zu bekommen, dass mich jemand mag. Grade zur Zeit vermisse ich doch den Kontakt mit anderen Menschen viel mehr als erwartet und ich habe immer mehr das Gefühl meine soziale Kompetenz zu verlieren. Vielleicht habt ihr ja einen Rat für mich...