Habe ich Depressionen?

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03.11.2019

Elaine

Ich habe noch nie mit jemandem über meine Probleme geredet und ich weiß auch, dass jeder andere Symptome hat, aber manchmal glaube ich, dass ich mich einfach nur anstelle.

Ich bin antriebslos und finde keinen Spaß mehr an den Dingen, die ich eigentlich liebe, ich gehe nicht mehr gerne aus meinem Haus (oder mein Zimmer) und ziehe mich immer mehr von meinen Freunden zurück und ich vernachlässige mich selbst immer mehr.

Ich habe einfach keine Ziele oder Motivation, warum also hierbleiben? Momentan bin ich noch an meine Schulausbildung gebunden. Wenn ich nicht in die Oberstufe gegangen wäre, dann wüsste ich nicht was ich jetzt tun würde. Ich weiß ja jetzt nicht einmal was ich tun soll, sobald ich mein Abitur geschafft hab. Wenn ich nicht vorher abbreche, aber das ist ein anderes Thema. Ich mache immer Scherze darüber, dass ich mich umbringe sobald ich mit der Schule fertig bin, aber um ehrlich zu sein ist da schon ein Fünkchen Wahrheit dran.

Wer würde mich vermissen? Ich persönlich war noch nie wirklich von dem Tod einer anderen Person mitgenommen, wie herzlos das auch klingen mag. Warum sollte es bei meinem Tod also anders sein? Ich bin für keinen die wichtigste Person in seinem Leben, viel mehr falle ich anderen zur Last, da ich nichts auf die Reihe bekomme. Meine extreme Schüchternheit, Tollpatschigkeit und Unsicherheit wird wohl niemand vermissen.

In den letzten paar Monaten ging es eigentlich. Ich habe wieder angefangen meine Hobbies auszuüben, hatte wieder Spaß und habe wieder angefangen mich mit Freunden zu treffen, aber jetzt geht es wieder bergab. Ich gebe dem Schulstress Mitschuld daran, doch am schlimmsten geht es mir normalerweise, wenn ich genug Zeit habe um nachzudenken.

In den Sommerferien 2018 ist mir zum ersten mal bewusst geworden, wie ernst die Lage wirklich ist, ich habe mein Tief erreicht.

Vor den Ferien hatte ich meinen Freunden versprochen, sie mindestens einmal zu treffen, was in einer Zeitspanne von 6 Wochen mehr als machbar sein sollte. Doch letztendlich haben sie mich in diesen 6 Wochen kein einziges mal zu Gesicht bekommen, nicht mal eine Nachricht. An ihrer Stelle hätte ich geglaubt ich wäre tot. Und ich habe auch darüber nachgedacht. Das war das erste Mal, das ich Suizidgedanken hatte und in den folgenden Monaten kamen diese häufiger wieder. Doch anscheinend hatten meine Freunde nicht die leiseste Ahnung, vermutlich haben sie nicht einmal an mich gedacht. Aber wie denn auch, wenn ich mich in mein Zimmer zurückziehe und in meinem Selbstmitleid und dem Müll in meinem Zimmer ertrinke?

In dem Jahr habe ich mich vielleicht 2 oder 3 mal mit meinen vier Freunden getroffen. Sie haben mich mehrere Male eingeladen, doch ich habe immer kurzfristig abgesagt und meine Eltern als Ausrede genommen (doch diese wussten in Wahrheit nichts davon). So trafen sie sich also ohne mich und haben eine tolle Zeit miteinander verbracht. Zeit, die ich nie wieder nachholen kann.

Selbst heute noch reden sie von Dingen, die sie ohne mich erlebt haben und von Gesprächen, die sie ohne mich geführt haben. Dabei vergessen sie immer, dass ich nicht dabei war und wenn es ihnen dann doch auffällt, ist die Stimmung im Keller. Generell fühl ich mich wie die unerwünschte Person, die die Stimmung kaputt macht, aber daran bin ich wohl selbst schuld.

Vor einiger Zeit hörte ich, dass eine dieser Freundinnen daran gedacht hat, sich umzubringen. Ich war geschockt. Nicht nur, weil sie wie die positivste Person auf Erden wirkt, sondern auch, weil ich es als Letzte erfahren hab. Und das auch nur zufällig. Sie wollte es mir nicht anvertrauen. Das ist aber auch verständlich, da wir uns eh nicht so nah stehen. Wir sind nur eine Gruppe von vier Freunden und selbst in dieser Gruppe würde ich mich nur einer Person so richtig anvertrauen. Aber ich habe es bisher noch nicht über's Herz gebracht. Ich weiß, dass sie selber mit Problemen zu kämpfen hat. Probleme, die viel schlimmer als meine sind. Wie könnte ich da so selbstsüchtig sein?

Es gab mehrere Situationen, in denen die Stimmung gepasst hätte. Ich hätte es endlich erzählen können. Doch irgendwas kommt immer dazwischen. Denn eine andere Person ergreift immer die Chance über sich zu reden und dann traue ich mich doch nicht mehr.

Einmal war ich betrunken, habe mich übergeben und zwei meiner Freunde halfen mir. Ich habe mich unter Tränen entschuldigt, dass ich die Stimmung kaputt gemacht habe. Ich meinte natürlich mehr als nur diesen einen Vorfall. Ich weiß nicht mehr genau was ich gesagt habe, aber ich habe ein paar Hinweise auf meine Situation gegeben. Doch sie haben es nicht verstanden. Und die dritte Freundin war im anderen Raum und hat sich komplett herausgehalten. Es war ihr unangenehm. Sobald ich das gemerkt habe, habe ich aufgehört zu reden. 

Letztens gab es eine ähnliche Situation. Alle waren betrunken, außer ich. Aus irgendeinem Grund fing besagte Freundin an über ihre Selbstmordgedanken zu reden. Es war das erste mal, dass sie es vor mir tat, doch die Anderen wussten bescheid. Eine andere Freundin fing an zu weinen und hielt eine lange Rede, in der sie ihr Mut zusprach. Dabei kamen einige Themen und Situationen auf, mit denen ich mich nur allzu gut identifizieren konnte. Ich fing auch an zu weinen, doch niemand wusste warum. Vermutlich dachten sie, dass ich die Rede berührend fand, doch ich habe geweint, weil all diese negativen Gedanken wieder hoch kamen. Ich wollte reden, doch es war nicht der richtige Zeitpunkt. Es ging nicht um mich.

Vermutlich hat meine Freundin es viel schlimmer als ich. Sie verletzt sich selbst, sie wäre mutig genug sich selbst zu töten.

Ich hingegen würde mich nie ritzen und ich habe Angst vor dem Tod. Dennoch sehe ich keinen Sinn in meiner Existenz.

Meine größte Angst ist es auf ewig so weiterzuleben, ständig auf der Suche nach einem Sinn. Doch was, wenn ich ihn nie finden werde? Es ist so anstrengend Tag für Tag in dieses bedeutungslose Leben aufzustehen, ohne auch nur eine Aussicht auf die Zukunft.

Wie bin ich hier gelandet? Ich weiß nocht nicht einmal wieso ich mich so fühle. Mir ist nie etwas schlimmes wiederfahren. 

Ich bin diejenige, die sich das antut. Ich weiß nur nicht, wie ich aufhöre.